Vor der Reise

“Gut geplant ist halb gewonnen”

Für mich persönlich ist die Reiseplanung ein Highlight und ich liebe die Vorfreude. Bei uns ist es oftmals so, dass wir Berichte lesen oder etwas online oder im Fernsehen sehen und sagen da würden wir gerne mal hin. Oder aber wir reden mit Freunden und die erzählen uns von tollen Reisen. Doch egal wie wir auf unsere Wunschziele stossen, als nächstes schaue ich immer nach, wie die politische und soziale Situation ist. Bei vielen Ländern weiss man es eh, aber bei manchen ist man überrascht. Also schaue ich nach, wie sehr die Politik der Länder mit meiner Vorstellung übereinstimmt und schaue quasi nach roten Flaggen: Menschenrechtsverletzungen, Gleichstellungsprobleme, Rassimus, Unterdrückung, Kinderarbeit, Ausbeutung etc. Ich würde euch empfehlen, für euch selber bzw. für eure Reisegruppe zu definieren, was rote Flaggen sind. Das heisst nicht, dass man deshalb nicht in das Land reist, aber manchmal lässt man bestimmte Regionen aus oder umgeht die Probleme anderweitig. Für mich persönlich ist es einfach wichtig, keine Länder bzw. Regierungen zu unterstützen, mit denen ich nicht übereinkomme bzw. deren Politik ich verabscheue. Denn das sollte man immer im Hinterkopf haben: mit jeder Reise in ein Land unterstützt man nicht nur die lokale Wirtschaft, sondern auch den grossen Apparat dahinter.

“Der Weg ist das Ziel”

Vor der Reise finde ich es ebenfalls wichtig, sich über die Anreise Gedanken zu machen. Ihr alle wisst, dass ich auch mit dem Flugzeug verreise, aber dann jeweils die Emissionen kompensiere. Das ist nicht ideal, aber zur Zeit der beste Kompromiss für mich. Tatsächlich bin ich aktuell seit fast 2 Jahren nicht mehr geflogen. Und obwohl mir das Reisen selber sehr fehlt, fehlt mir das Fliegen gar nicht, was wohl auch an meiner latenten Flugangst liegt! Worauf ich aber hinauswill: macht euch doch mal eine Liste mit Reisen, die ihr gerne machen möchtet und schaut, ob es Wege gibt, dass man nicht jede Ferien wegfliegen muss sondern einen Kompromiss findet zwischen Flugreisen, Zugreisen, Wanderreisen, Autoreisen oder oder oder. Es gibt so viele tolle Arten zu verreisen, die auch preislich attraktiv sein können. Wer nicht aufs Fliegen verzichten will oder kann, für den habe ich noch eine grobe Faustregel: ihr solltet die doppelte Anzahl Tage im Urlaubsland verbringen, als eure Flugstunden betragen. Sprich, fliege ich 9 Stunden nach Amerika, sollte ich optimal 18 Tage dableiben. Das ist ein Bereich, an dem die Emissionen immer noch schlimm sind, aber verträglicher. Informiert euch auch über Kompensationsmöglichkeiten und die nachhaltigen Bemühungen der einzelnen Airlines. Hier kann ebenfalls ein Unterschied gemacht werden, gerade wenn, wenn der Preis nicht euer einziges Entscheidungskriterium sein kann.

“Hier kann ich guten Gewissens bleiben”

Auch bei der Auswahl eurer Unterkunft könnt ihr nachhaltig agieren. Es gibt mittlerweile viele tolle Biohotels oder Öko-Hotels, die nachhaltigen Strom nutzen, alternative Energien verwenden, faire Arbeitsbedingungen haben und die lokale Wirtschaft bereichern. Denn schon bei der Einrichtung kann man so viele tolle Dinge beachten und zB. Möbel von lokalen Schreinern aus lokalen Hölzern verwenden. Auch die Verpflegung ist in solchen Hotels lokal und absolut saisonal und oftmals vegan oder vegetarisch. Beachtet, dass nicht alle Hotels zertifiziert sind, aber dennoch toll sind. Alternativ zu den Bio-Hotels gibt es noch viele tolle lokale Angebote, sprich oftmals kleine, feine Hotels, die vielleicht sogar im Familienbetrieb geführt werden. Gerade bei grossen Namen ist etwas Vorsicht geboten. Es gibt solche Hotels, die sich toll in die lokale Wirtschaft einfügen und viele der vorher erwähnten Punkte ebenfalls umsetzen, aber eben nicht alle. Deshalb lohnt sich hier ein kritischer Blick. Und für sich natürlich ein Abwägen, ob sich der Komfort des Bekannten denn im Hinblick auf Nachhaltigkeit wirklich lohnt. Einschieben möchte ich gerne noch ein kurzes Intervall zum Thema All-Inclusive Clubferien: ich persönlich habe zum Glück an solchen Ferien kein Spass, aber ich finde sie auch nicht richtig. Oftmals bleiben Touristen nur innerhalb der Grundstücksgrenze, bringen also der Region keinerlei wirtschaftlichen Vorteil. Dann gibt es das gute altbekannte Essen aus der Heimat, welches eingeflogen wird. Und die Arbeitsbedingungen in solchen Anlagen sind oftmals wirklich grausam. Bitte informiert euch doch vorab, solltet ihr solche Ferien planen und fragt sehr kritisch nach, was denn vor Ort passiert. Dann gibt es noch viele tolle weitere Unterkünfte, die ihr aussuchen könnt. Ob Ferienwohnungen, Bauernhöfe, Campingplätze, Schlafen im Holzfass oder oder oder. Klickt euch doch mal ein wenig durch das Internet – natürlich bitte einen nachhaltigen Browser nutzen wie ecosia oder ähnliche – und lasst euch inspirieren. Oftmals haben die lokalen Tourmismusbüros auch wertvolle Tipps.

Während des Urlaubs

“Die Seele baumeln lassen”

Ihr seid angekommen und es heisst entspannen und Batterien aufladen. Hier sind die Regeln relativ einfach: do as the locals! Esst lokal, meidet grosse Ketten, die ihr auch daheim findet, shoppt in kleinen Läden, unterstützt die lokale Wirtschaft und stosst euch ins Getümmel. Haltet auch bitte auch an lokale Traditionen: in arabischen Ländern zum Beispiel ist es nicht üblich, dass man als Frau zu viel Haut zeigt. Wir mögen das nicht richtig finden, aber es nicht zu tun, ist in meinen Augen respektlos. Und ob einem das ein Graus ist, sollte bereits bei der Auswahl der Region eine Rolle spielen. Auch andere Gewohnheiten, die für uns normal sind, sind in anderen Ländern respektlos. Informiert euch vorab um keine negativen Erfahrungen zu haben während eures Urlaubs. Ich geniesse es vor Ort mit Locals ins Gespräch zu kommen, und wenn es mit Händen und Füssen ist. Oftmals bekommt man tolle Tipps für Restaurants oder Ausflüge und lernt ein Stück Kultur kennen. Wenn ihr offen seid, wird man euch auch freundlich und offen begegnen. Es gibt auch Möglichkeiten, kritische Fragen zu stellen; doch hier gilt immer «der Ton macht die Musik». Freundliche, nette Anfragen die ehrliches Interesse zeigen, werden sicherlich auch angemessen beantwortet. Eine tolle Möglichkeit im Urlaub nachhaltiger zu sein, ist auch die Einschränkung der Datennutzung. Legt das Handy weg und saugt das Neue auf. Denn dafür seid ihr doch verreist, oder? Fotos machen ist vollkommen ok, aber die ganze Zeit auf Facebook oder Instagram rumhängen kostet extrem viel Datenvolumen, was nicht nachhaltig ist. Und wo gibt es eine bessere Möglichkeit mal eine kleine Handypause einzulegen als im Urlaub?

Nach dem Urlaub

“Back to Reality”

Ihr seid daheim und taucht langsam wieder in die Realität ein. Jetzt könnt ihr noch eine Sache machen, die nachhaltig ist und anderen hilft. Gebt Feedback, erzählt anderen von euren tollen und auch schlechten Erfahrungen und helft anderen so, ebenfalls nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Seid eine Inspiration und geht mit gutem Beispiel voran. Das hilft am allermeisten. Gebt auch Reiseveranstaltern oder Buchungsplattformen Feedback, gerade dann wenn etwas schlecht gelaufen ist. Das heisst nicht, dass ihr euch beschwert, sondern informiert offen und ehrlich was euch aufgefallen ist. So können Angebote verbessert werden und ein nachhaltiger Standard aufgebaut werden, der langfristig toll ist für die Tourmismusindustrie. Abschliessend möchte ich noch eines loswerden: ich weiss, dass Reisen allgemein ein absoluter Luxus sind. Nicht jeder kann sich da auch noch erlauben, nachhaltige Entscheidungen zu treffen, wenn es um die grossen Ausgabepunkte geht. Aber ich glaube fest daran, dass jeder von uns seinen Urlaub ein wenig nachhaltiger gestalten kann, indem er einfach offen und bewusst an das Thema herangeht. Ich freue mich auf jeden Fall, wenn die paar Tipps euch zum umdenken anregen und ihr vielleicht eine nachhaltigere Urlaubsform für euch wählt. Ich wünsche euch bereits jetzt allen eine tolle Sommerferienzeit und hoffe ihr geniesst eure Ferien, egal wie nachhaltig sie sind. Wenn ihr besonders tolle Tipps oder Erfahrungen hattet oder eine Warnung an die Community aussprechen möchtet, lasst es mich gerne wissen und ich teile diese Informationen gerne mit allen.

Nachhaltige Grüsse,