"Nur 10% des Bedarfs an Produkten kommen direkt aus der Stadt oder aus der unmittelbaren Region."

Doch lasst uns doch zunächst einmal anschauen, warum dies überhaupt nötig ist. In Grossstädten nimmt man an, dass nur 10% des Bedarfes an Produkten aus der Stadt oder der unmittelbaren Region selber kommen. Der Rest wird importiert, von weit und fern. Avocados aus Neuseeland, Steak aus Argentinien, Früchte aus Asien. Alles keine Seltenheit für uns in den Supermarktregalen. Bereits jetzt sind diese Transporte von Lebensmitteln rund um den Globus verantwortlich für einen übergrossen CO2-Fussabdruck. Diese Belastung wird wohl noch steigen, denn die Weltbevölkerung wächst weiter und somit wachsen auch städtische Infrastrukturen unaufhaltbar weiter. Im Endeffekt brauchen wir mehr Ressourcen, dessen Anbau zu schnell und damit nicht nachhaltig geschieht. Durch den Transport entstehen weitere Emissionen. Es gibt Städte, die dieses Problem erkannt haben. So zum Beispiel Andernach in Rheinland Pfalz, Deutschland. Nach einem Pilotprojekt, bei dem man Tomaten für alle zugänglich in der Stadt pflanzte, war das Feedback so positiv, dass man das Projekt ausbaute. Nun werden Erdbeeren, Zucchini, Kohlsorten, Kartoffeln, Gehölze wie Khaki etc. innerhalb der Stadt angepflanzt und können von allen geerntet werden. Das Pflanzen und die Pflege wird von der Stadt mit 1€-Jobbern übernommen. Ich finde dieses Projekt extrem spannend, denn nicht nur schafft man Arbeitsplätze, man schafft auch eine Gemeinschaft, die teilt und nutzt und ein Gefühl dafür entwickelt, wie ein urbanes Leben alternativ aussehen kann. Die Unabhängigkeit der Stadt von globalen Katastrophen ist befreiend für viele. Denn sind wir ehrlich: irgendwo am anderen Ende der Welt passiert etwas und schon steigen Preise oder Produkte gibt es einfach nicht mehr. Das kann hier nicht passieren. Ausserdem fördert man auch lokale Produkte und saisonale Produktionen, die ebenfalls der einheimischen Flora und Fauna zu Gute kommen. 

"Es fühlt sich niemand berechtigt, Früchte oder Gemüse aus städtischen Regionen zu ernten, obwohl dies teilweise erlaubt ist."

Leider sind noch nicht alle Städte so weit. Doch ist man erstaunt, dass eigentlich in jeder Stadt essbare Produkte einfach so wachsen und für jedermann zugänglich sind. Offiziell fällt dies wohl unter Mundraub. Doch auch hier entwickelt sich eine Szene. Organisierter Mundraub quasi. Also Menschen, die sich treffen und austauschen, wo in der Stadt welches Obst oder Gemüse gefunden werden kann und dieses abernten. Auch das finde ich super, denn so oft fühlt sich niemand berechtigt, diese Früchte zu ernten und dann vergammeln sie ungenutzt. Ist das alles nichts für euch und ihr möchtet lieber mit der Selbstversorgung ganz legal beginnen, habe ich nun für euch ein paar Tipps.

Brot selber backen

 Beim Brot könnt ihr ganz einfach anfangen, denn es ist ohne grossen Aufwand herzustellen. Oder ihr könnt den Aufwand einfach selber bestimmen. Es gibt einfache und doch sehr leckere Brote, die in Kürze zubereitet und gebacken werden können. Für Sauerteigbrote braucht ihr etwas länger und mehr Zeit, es lohnt sich aber auf jeden Fall. Ich experimentiere schon länger mit dem Thema Brotbacken, weil ich es extrem spannend finde und habe mich daher tiefgehend mit dem Thema beschäftigt und kann berichten, die Ergebnisse waren bisher immer lecker und so viel günstiger als das gekaufte Zeug.

Saisonal kochen

Selbstversorgung hat viel mit Saisonalität zu tun und sich damit auseinanderzusetzen, was denn jetzt überhaupt angebracht ist, zu verarbeiten. Gerade im Supermarkt ist es extrem schwer, den Überblick zu behalten, was jetzt wirklich Saison hat und es wird auch nicht einfacher mit den extremen Wetterbedingungen. Hier empfehle ich euch, euch einen Saisonkalender für Obst und Gemüse zuzulegen. Dieser gibt ganz einfach Aufschluss darüber, welche Früchte bzw. welches Gemüse gerade genossen werden kann. Ein Hauptvorteil von dieser Fokussierung ist auch, dass selbst wenn man selber nichts anbauen kann, man doch diejenigen in der Region unterstützt, die bei euch vor der Tür anbauen. Das ist ja schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.

Einkochen und Lebensmittel konservieren

Ich kann es schon gut verstehen, dass man manchmal einfach ein wenig zu viel von Dingen hat oder sich aber auch im Winter über Marmelade freut, die aus frischen Erdbeeren gemacht ist. Um Wegschmeissen zu verhindern und langen Genuss zu garantieren, hilft einkochen bzw. konservieren. Wir haben zum Beispiel am Sonntag jede Menge Weintrauben bekommen. Diese waren nicht mehr extrem schön, aber wir haben uns Traubensaft daraus gemacht, den wir nun geniessen können. Überlegt doch mal, was ihr mit Lebensmitteln machen könnt, um sie haltbar zu machen. Einkochen, einfrieren, einlegen – all das sind tolle Möglichkeiten Lebensmittel längerfristig zu geniessen. Es ist zum Beispiel auch toll, Früchte einzufrieren im Sommer, sodass ihr dann im Winter immer noch frisches Obst für eure Smoothies habt. Habe ich tolle Erfahrung mit gemacht und liebe es.

Gärtnern ohne Garten

Ihr habt keinen Garten vor der Haustür, möchtet aber trotzdem selber Früchte oder Gemüse anbauen? Kein Problem. Es gibt wirklich tolle Alternativen zu dem eigenen Garten. Vor allem wenn ihr einen Balkon habt. Dort könnt ihr entweder in die Höhe gehen, um mehr Platz zu schaffen oder aber zum Beispiel mit Hochbeeten arbeiten. Auch im Indoor Bereich gibt es viele Möglichkeiten eigene Kräuter anzubauen oder bestimmte Früchte hochzuziehen. Und wer die Möglichkeit hat, kann sich auch auf einen Garten in einem Gemeinschaftsgarten bewerben oder sich bei einem Urban Gardening Projekt engagieren. Wer in der Stadt gärtnern möchte, muss einfach ein wenig Outside the Box denken und ich bin mir sicher, es werden auch viele tolle Möglichkeiten einfallen, doch noch eure eigenen Produkte wachsen zu lassen. Hier macht es auch Sinn, sich gleichzeitig mit dem Thema Kompostieren zu beschäftigen. Schaut doch mal unseren Blogbeitrag dazu an (Kompostlösungen für Jedermann)

Pflegeprodukte selber herstellen

Zur Selbstversorgung gehört für viele auch, die eigenen Pflegeprodukte herzustellen. Dies könnt ihr ganz einfach machen, egal ob in der Stadt oder auf dem platten Land. Oftmals habt ihr in der Stadt noch bessere Möglichkeiten eure Zutaten zu besorgen oder habt eine grössere Auswahl an Zutaten. Anleitungen gibt es unzählige. Lasst mich wissen, wenn ihr noch einmal Lust habt, dass ich mich in einem Blog dem Thema widme und meine Empfehlungen an euch weitergebe.

Putzmittel selber herstellen

Genauso wie die Pflegeprodukte, können auch nachhaltige Putzmittel so einfach selber hergestellt werden. Super einfach sind Dinge wie Allzweckreiniger, aber selber Waschmittel oder Spülmaschinentabs sind nicht schwer. Vielleicht braucht es ein wenig Zeit, bis man alle Zutaten zusammengesucht hat, aber hier wiederum der Vorteil für uns Städter – wir können fast alles finden in der Stadt. Wohingegen jemand auf dem Land vielleicht mehr online bestellen muss. Auch hier gilt, wenn ihr mal Lust habt, zu hören, welche Putzmittel ich denn alle selber mache, lasst es mich wissen, ich teile das sehr gerne mit euch.

Milchprodukte selber herstellen

Käse herzustellen klingt für viele erstmal kompliziert und ich muss zugeben, dass ich es auch noch nicht selber gemacht habe. Aber ich habe viel darüber gelesen, quasi schon einmal in Vorbereitung auf das Thema. Erstaunt war ich, dass es viel einfacher scheint als man denkt. Man nehme frische Milch und verarbeite sie entweder zu Käse, Joghurt, Butter oder Quark. Und schon ist man nicht mehr darauf angewiesen, dass man solche Produkte im Supermarkt kauft. Und stellt euch nur vor, für welchen Gesprächsstoff es sorgt, wenn ihr euren selbstgemachten Käse mit Freunden oder Verwandten teilt? 

Repariert was geht

Egal ob es Klamotten sind oder der runtergefallene Bilderrahmen, viele Dinge müssen nicht weggeschmissen werden nur weil sie ein wenig ramponiert sind. Für mich gehört auch das zur Selbstversorgung. Den ganz ehrlich, neu kaufen kann jeder. Reparieren braucht ein wenig mehr und vor allem ein wenig Kreativität. Doch genau darum geht es oft bei der Selbstversorgung. Umzudenken und neu anzusetzen anstatt in den Laden zu rennen und neu zu kaufen. Ich muss sagen, Selbstversorgung ist ein riesen Thema und für mich beschränkt es sich nicht nur darauf, dass man seine eigenen Früchte anbaut und erntet. Sondern es geht eben auch darum, sich selber mit Alternativen zu beschäftigen, um Neuanschaffungen zu vermeiden bzw. zu reduzieren. Ich hoffe euch hilft meine kleine Inspiration, sodass ihr das Thema mal an der ein oder anderen Stelle angeht. Lasst mich gerne wissen, wenn ihr mehr Informationen zu dem ein oder anderen Thema haben möchtet, das kann ich gerne liefern.

Habt einen tollen Tag und nachhaltige Grüsse,